
Was kommt dir in den Sinn bei dem Wort „Beschimpfung“? Zuerst denkt man an brüllen, schreien und grundsätzliches beschimpfen – oder? Es geht jedoch auch anders, wesentlich subtiler. Missbrauch ist nicht immer so direkt, kann trotzdem die gleichen Auswirkungen auf die Psyche haben.
Wenn du auf der anderen Seite des verbalem Missbrauchs stehst, muss der eigentliche Missbraucher nicht immer mit brüllen oder schreien oder sogar mit schrecklichen namentlichen Beschimpfungen auftreten, um seinem Opfer ein schlechtes Gewissen zu machen; der/die kann das Herz des anderen in tausend Stücke zerbrechen, ohne ein einziges Wort zu sagen und einfach durch seine subtile, ja fast schon filigrane Art Missbrauchshandlungen auszuführen.
Wie das genau aussieht erfährst du im Folgendem:
1. Das fehlen von Bestätigung, Unterstützung und Liebe
Es gibt Menschen, denen fällt es schwer, ihre Gefühle gegenüber anderen oder ihren Lieben auszudrücken, dies ist soweit auch in Ordnung. Ist es jedoch nicht in Ordnung, wenn du deine Wertschätzung, deine emotionale Unterstützung, dein Lob und deine freundlichen Worte zurückhältst, nur weil du jemanden nicht ermutigen und loben willst. Dies tun viele toxischen Eltern ihren Kindern an, im Namen der sogenannten „harten Liebe“.
Unter „harter Liebe“ versteht man das demütigen, untergraben und kritisieren ihrer Kinder, damit wollen Eltern, dass sie stark und erfolgreicher werden oder sind, was sie nicht verstehen, ist, dass negative Verstärkung allein nichts bewirkt. Positive Verstärkung, positive Bestätigung und Unterstützung sind nicht verhandelbar. Ein Mangel an Anerkennung und Liebe kann jedem das Gefühl geben, dass sie/er keine Liebe verdient oder dass sie/er sich diese Liebe erst verdienen muss.
Es werden diesbezüglich deine Überzeugungen und deine Gefühle abgewertet und gleichzeitig wird dir das Gefühl gegeben, dass du nie gut genug bist und auch nie gut genug sein wirst. Dies ist einer der schmerzhaftesten Formen von emotionalem und leisem verbalem Missbrauch und eine, die dich für den Rest deines Lebens begleiten wird.
2. Die Form der stillen Behandlung
Eine stille Behandlung kann nicht als Missbrauch angesehen werden, jedoch ist sie ist tatsächlich eine andere Form des emotionalen Missbrauchs. Dies ist sie auf jeden Fall! Jemanden komplett zu ignorieren, indem man ihn mit völligem Schweigen bestraft, ist nicht nur eine emotionale schmerzhafte Sache, durch die du gehst, es kann dich auch an dir zweifeln lassen und dein Selbstwertgefühl zerstören – und dies wird es.
Jemanden völlig zu ignorieren und ihm somit das Gefühl zu geben, dass er nicht wichtig ist, ist nichts anderes als emotionale Vernachlässigung und emotionale Gleichgültigkeit. Es entstehen schnell die Gefühle der Einsamkeit, der Wertlosigkeit und des eigenen geringem Selbstvertrauens die sich breit machen, bevor man dies selbst weiss. Man gibt sich die Schuld an allem. Du wirst dir selbst einreden, dass du es verdienst, dass man dich so behandelt, da dein Verhalten dazu geführt hat. Du wirst spüren, dass dies auf eine Art und Weise geschieht, wie du behandelst wirst, genau so ist, wie du behandelt werden solltest.
Du wirst dich schnell selbst in Frage stellen, du wirst wütend über dich sein und dir Vorwürfe machen. Somit bestrafst du dich noch zusätzlich, bevor sie/er zurückkommen und sich dann plötzlich so verhalten, als sei nichts geschehen. Du bist in dem Moment dankbar, dass sie wieder „normal“ sind und in deinem Leben, bist dankbar für dieses Stück Normalität und „dankst den Sternen“, dass sie sich entschieden haben, dir für deine „Fehler“ zu verzeihen. Ist es hier nur eine Täuschung, sie/er nutzen deinen Mangel an Selbstvertrauen und Selbstwert aus und sorgen so dafür, dass du nie wieder an dich glaubst. Gleichzeitig haben sie mit ihrer „stillen Behandlung“ immer wieder die Macht in der Hand bei, so ihrer Meinung, deinem Fehlverhalten erneut Einhalt zu gebieten.

3. Sarkasmus und eine herablassende Art
Tritt dein PartnerIn dir gegenüber hochmütig auf und hinterlässt dir gegenüber sarkastische Kommentare, sollte hierauf ein besonderes Augenmerk gerichtet werden. Gelegentlicher Sarkasmus ist durchaus in Ordnung, wenn er allerdings zu einer Regelmässigkeit wird, indem dich dein PartnerIn ständig verspottet und lächerlich macht, dann ist das eine Form von leisem verbalem Missbrauch.
Wenn neben dem Sarkasmus auch noch beleidigende Worte und dies eventuell auch noch vor anderen eine Form des Niedermachens stattfindet, ist dies grundsätzlich ungesund. Wenn du ständig die Zielscheibe von Witzen bist, ist dies ein zusätzliches Warnzeichen und du solltest schnell dafür sorgen dies nicht weiter hinzunehmen oder zu denken, dass sie nur „herumalbern“. Herablassendes Verhalten, ständige sarkastische Bemerkungen und Spott haben in einer normalen, gesunden Beziehung nichts zu suchen. Wenn du das mitbekommst, solltest du es als das erkennen, was es wirklich ist: Subtile Beschimpfungen!
4. Stonewalling – Die Ablenkung
Für Menschen, die selbst Stonewalling ausüben ist dies keine grosse Sache, aber wer auf der anderen Seite steht, weiss genau, wie schrecklich dies sich anfühlt.
Stonewalling bedeutet, dass sich eine Person grundsätzlich weigert, mit der anderen Person zu sprechen oder den Raum zu verlassen oder sie mitten in einem Streit absichtlich ignoriert. Das ist eine der toxischsten Formen von subtiler Beleidung und kann dazu führen, dass du dich extrem genervt, beleidigt und frustriert fühlst.
Hier einige Anzeichen von Stonewalling:
Die andere Person ignorieren
Mitten im Streit den Raum verlassen
Die Weigerung, Fragen zu beantworten, sogar wenn sie logisch und gerechtfertigt sind
Du akzeptierst die Dinge nicht so, dass du gemauert wirst, sondern sprichst es aus mit: „Ich brauche eine Pause!“.
Wenn absichtlich das Thema gewechselt wird, wenn sie sich nicht damit befassen wollen.
Sich immer passiv-aggressiv zu verhalten
Mit Scheinangriffen vorgehen, um sich nicht über das eigentliche Problem zu unterhalten.
Auf eine Art indirekt abweisend sind, indem sie gestikulieren und die Augen rollen oder schliessen.
Das mauern an sich kann die Psyche einer Person stark beeinträchtigen und ist eine der schmerzhaftesten Formen von emotionalem Missbrauch und leiser Beschimpfung.
Dies ist eine Art, dich zu manipulieren, damit du aufhörst, woran du glaubst und deine eigenen Gefühle ignorierst, damit sie sich bestätigt fühlen können. Vergiss dabei nicht, dass es mehr um sie als um dich geht.
5. Du gehst in Eigenkritik
Einmal abgesehen, dass konstruktive und positive Kritik gute Dinge sind, sie können dabei helfen, sich zu verbessern und besser zu werden. Doch übermässig kritisch zu sein, ist nicht dasselbe. Jemanden über alles und jeden zu kritisieren, führt nie zu guten Ergebnissen, sondern kann einem das Gefühl geben, dass man nie etwas richtig machen kann. Endlos übermässige Kritik schadet auf lange Sicht immer mehr als es nützt.
Auch wenn der Missbraucher immer wieder sagt, dass er/sie nur das Beste für einen will, verfolgt er mit seiner ständigen Kritik nur ein Ziel – dich so weit zu erniedrigen und zu demütigen, dass du das Vertrauen in dich selbst verlierst. Das ist eine der stärksten Formen von Beschimpfungen, die deinen emotionalen Frieden langsam aber stetig zermürben und dich ständig in Aufruhr versetzen.
Man wird sich langsam aber sicher daran gewöhnen, beleidigt und auseinandergenommen zu werden. Du fängst an, an die harten Worten zu glauben, die einem eingebrannt werden. Diese harten Worte werden mit der Zeit verinnerlicht und werden ein Teil von dir. Du wirst nicht nur dein Selbstvertrauen, sondern auch deine Würde langsam verlieren und langsam in einer Spirale aus Schuldgefühlen, ungesundem Selbstmitleid und Scham versinken.
6. Passiv-aggressives Verhalten
Wenn passiv-aggressives Verhalten zum tragen kommt, projiziert jemand indirekt seine Wut und Verachtung auf dich, sich aber weigert, offen darüber zu sprechen. Wenn Menschen sich so verhalten, besteht eine gewisse Distanz zwischen ihren Gefühlen und der Art, wie sie sich ausdrücken.
Wenn man sich zum Beispiel mit seinem PartnerIn streitet, kann er/sie oberflächlich betrachtet so tun, als ginge es ihm/ihr gut, aber er/sie zeigt die Wut auf subtile Weise: Z.B. durch zweideutige Komplimente, durch Aufschieben, Schmollen oder die Weigerung zu kommunizieren.
Was beinhaltet passiv-aggressives Verhalten:
Sture, menschenfeindliche Einstellung
Sie sind ständig darauf angewiesen, dass andere sie glücklich machen
Verärgerung, Groll und Verbitterung, wenn jemand um Hilfe bittet
Sie neigen stets dazu, andere für ihre Probleme verantwortlich zu machen
Sie beklagen sich mehrfach darüber, dass sie immer unverstanden, unterschätzt und nicht respektiert werden.
Sie erwarten vom PartnerIn, dass man auf magische Weise versteht, was sie denken und fühlen, tut man dies nicht, wird man als „rücksichtslos“ bezeichnet.
Bewusst machen sie Fehler oder vermasseln Dinge und liefern eine schlechte Leistung ab, falls sie zu etwas gezwungen werden, was sie nicht tun wollen.
Wenn sie jemand dir gegenüber passiv-aggressiv verhält, sagt er dir auf eine gewisse Art und Weise, dass du es nicht verdienst, zu wissen, was er/sie denkt oder fühlt. Das passiv-aggressive Verhalten zu zeigen ist nur eine andere Art, dich zu quälen und dir eine Lektion zu erteilen, weil du nicht das tust, was sie von dir wollen.
Stille Beschimpfungen, die sehr schwer zu erkennen sind
7. Gaslighting
Wenn jemand, jemanden dazu bringt, seine eigene Realität in Frage zu stellen, und dabei versucht, den anderen davon zu überzeugen, dass das, was er erlebt hat, überhaupt nicht geschehen ist, dann weiss derjenige bescheid: Er/Sie wird mit Gaslighting behandelt. Gaslighting gehört mit zu den schädlichsten Waffen von Missbrauchern und Manipulatoren, und eine, die sie sehr grosszügig einsetzen.

Folgende Gaslighting Phrasen, die häufig genannt werden:
- „Warum musst du ständig so emotional sein? Du musst dich beruhigen!“
- „Du hast das nur wieder falsch verstanden.“
- „Ach, das bildest du dir wieder nur ein.“
- „Du hast mich dazu gedrängt, so zu reagieren.“
- „Ich habe nur einen Witz/Spass gemacht!“
- „Es ist nie so geschehen, wie du es mir gerade erzählst.“
- „Du bist einfach immer zu sensibel.“
- „Deine Fantasie geht wieder einmal mit dir durch.“
- „Du kannst gerne gehen, wenn du denkst, dass ich so ein schlechter Mensch bin!“
- „Du bist ja krank/verrückt und denkst dir die Dinge nur aus!“
- „Du hast keine Ahnung wovon du sprichst.“
- „Du bist ständig so dramatisch.“
- „Ständig verdrehst du die Tatsachen.“
- „Du weisst ja nicht mehr was du redest.“
- „Weil du ständig Fehler machst, gibst du mir die Schuld daran.“
- „Keiner mag dich, alle wenden sich von dir ab.“
Wie man erkennen kann handelt es sich hier nicht um Beschimpfungen, keine Schimpfwörter an sich, können diese Phrasen schon ausreichen, dass man an sich selbst zweifelt und sogar glaubt, dass nur du der/die Schuldige bist, nicht sie. Durch das Gaslighting drehen sie die Geschichte komplett um und schieben ihrem Gegenüber die ganze Schuld in die Schuhe, und weil sie alle deine Schwächen kenne, wissen sie auch, was sie sagen müssen, um dich am meisten zu verletzen.
Gaslighting hat nur ein Ziel! Das Opfer an seinem Verstand und an seinem Realitätssinn zweifeln zu lassen, sobald du das tust, haben sie gewonnen. Gaslighting ist eine der schrecklichsten Formen von subtiler Beschimpfung.
Wenn eines dieser Muster oder sogar einige dieser Muster Teil deiner Beziehung sein, solltest du dies nicht einfach so unter den Teppich kehren und denken, das es nichts ist. Missbrauch ist Missbrauch, und auch wenn er nicht immer offensichtlich ist, solltest du wissen, dass es nie in Ordnung ist, sich damit abzufinden.
Wenn du so etwas durchmachst, dann suche dir Hilfe und beende es. Missbrauch ist niemals in Ordnung!
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