
Mittlerweile kennt man den Begriff des hochsensiblen Menschen (HSP) und vieles ist dazu schon gesagt worden. Aber jeder, der sich selbst in diesen Beschreibungen wiederfindet, kennt auch das Phänomen, dass man, mehr als andere, an emotionalem Schmerz zu leiden scheint.
Und nicht selten wird das negiert; vom Betroffenen selbst oder von seinem Umfeld. Das Mehr an seelischem Schmerz scheint etwas zu sein, das oft nicht verstanden und deshalb geleugnet wird.
Hier könnte man Empathen und Hochsensible gleich setzen: wer hochsensibel ist, ist hochempathisch. Je reifer ein hochsensibler Mensch ist, desto empathischer ist er. Wer jedoch das Hochsensible in sich dauerhaft bekämpft, lebt nicht nur in Trennung von seinem wahren Wesen, sondern verliert mit den Jahren auch das besondere Mass an Empathie.
In diesem Artikel wird jedoch von Menschen gesprochen, bei denen das nicht passiert ist. Deshalb die Gleichstellung von HSP und Empath.
Als Erstes kann man sagen: es stimmt; besonders sensible und damit empathische Menschen leiden emotional erheblich mehr als andere und sie werden auch deutlich mehr verletzt. Jedenfalls in den Jahren ihres Lebens, in denen sie sich mit den Besonderheiten ihres Wesens noch nicht so gut auskennen.
Hier sind 8 Gründe warum Empathen und Hochsensible mehr leiden

1. Hochsensible/Empathen spüren mehr
Sie haben ein feineres Nervenkostüm und sind nicht selten schon früh instrumentalisiert, traumatisiert und in einen Zustand der Dauer-Alarmbereitschaft versetzt worden. Das, unter anderem, hat sie darin geschult zu fühlen und die Stimmungen der anderen zu erahnen, an der Art wie die Haustür aufgeht schon zu hören, ob der Vater betrunken ist und man aus der Schusslinie gehen muss oder, ob heute alles ruhig bleibt. Sie spüren an ihren eigenen inneren emotionalen und rein körperlichen Reaktionen, was los ist. Wer mehr fühlt, fühlt allerdings auch mehr Schmerz.
2. Ihre Empfindsamkeit und ihre Erfahrungen machen sie zu Projektionsflächen derer, die sich selbst nicht oder nur wenig fühlen können
Wer sich selbst nicht richtig fühlt, der verdrängt und muss infolge seine unverarbeiteten Gefühle auf jemand anderen übertragen. Hochempathische Menschen sind schon früh für die Übertragungen anderer missbraucht worden. Sie beziehen in ihren unbewussten Jahren ihr Daseinsberechtigungsgefühl daraus, dass sie die Last anderer tragen. Sie sind darauf trainiert worden, ihre Fühlfähigkeit gegen sich selbst und in den Dienst der anderen zu stellen.
So geraten sie dann später auch weiterhin in entsprechende Situationen: sie fühlen sich, weil sie oft nichts anderes kennen, zu Menschen hingezogen, die sich selbst nicht spüren und die ihre unbewusste Charge auf sie übertragen.
3. Hochsensible/Empathen werden oft zu lebenslänglichen Sündenböcken,
erleiden Mobbing in ihren Berufen und haben im Laufe ihres Lebens oft mehrere toxische Beziehungen mit Menschen, die einen Empathen brauchen, der ihren unverarbeiteten Schmerz für sie trägt.
4. Hochsensible/Empathen reagieren auf die Projektionen, die man ihnen aufbürdet
Das tun sie aber nicht in ihrer eigenen Art und Weise, sondern gefärbt von der emotionalen Last, die sie für den Anderen tragen.
Sie reflektieren zurück, was sie bekommen haben. Die Spiegelung erscheint jedoch wie unter einem Vergrösserungsglas und wird vom Gegenüber als bedrohlich erlebt.
Für die Übertragung wird keine Verantwortung übernommen; das schliesst sich aus. Jeder hochempathische Mensch kennt das: man fühlt eine Grenzverletzung; eine Ungerechtigkeit, einen unberechtigten Vorwurf oder Anklage, eine Vernachlässigung und man wehrt sich. Das Gegenüber leugnet und verstärkt den Druck. Hochsensible Menschen kommen an dieser Stelle emotional unter so einen Druck, dass sie beginnen, sich zu erklären und zu rechtfertigen, in der Hoffnung darauf, die Last der Übertragung wieder loszuwerden. Nichts könnte sie an dieser Stelle mehr entlasten, als wenn der Andere plötzlich doch versteht und sich entschuldigt. Aber genau darauf warten hochempathische Menschen oft vergeblich. Projektionen dienen dazu, unbewussten Schmerz loszuwerden und eben nicht, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Das bleibt dann auf den Schultern desjenigen liegen, der den Schmerz zu fühlen bekommt.

5. Hochsensible wissen …
Sie haben sehr früh schon Zugriff auf Erkenntnisse, die jenseits von Erlerntem und Erfahrungen liegen. Damit machen sie sich nicht immer Freunde. Allzu oft werden ihnen dann Dinge vorgeworfen, die ihnen nicht gerecht werden. Sie seien altklug, besserwisserisch, würden urteilen, sie seien vorschnell; würden sich über andere erheben. Jeder Empath weiss, dass nichts davon stimmt. Und wie schmerzhaft es ist, wenn man für das, was man warum-auch-immer weiss, verurteilt und abgelehnt wird. Man fühlt sich verlassen und isoliert; manchmal passiert das bei engsten Freunden – eine Erfahrung die Empathen im Laufe ihres Lebens häufig machen, vor allem, wenn sie an ihrem Schmerz noch nicht gereift sind.
6. Deshalb kennen sie auch alle das Gefühl „ungerecht“ zur Genüge
Ihr ausgeprägtes Fairness-Empfinden erlaubt ihnen nicht, sich wie die Axt im Walde zu benehmen. Sie sind ausgesprochen anständige Menschen, die jedoch selber an Ungerechtigkeiten so ziemlich alles schon haben einstecken müssen.
7. Ihr Mitgefühl macht sie besonders verständnis- und rücksichtsvoll
Empathen können aufgrund ihrer Fühlfähigkeit und emotionalen Geschultheit, das Leiden und auch die Seinsweise anderer Menschen besonders gut erfassen. Ein Gegenüber empfindet sich als gut aufgehoben, wahrgenommen und verstanden. Ein sehr empathischer Mensch selbst hingegen, wird sich in langen Phasen seines Lebens, sehr selten so gut aufgehoben und angenommen fühlen.
Andererseits spüren Empathen aber eben auch das, was andere verdrängen. Sie haben sehr feine Antennen für die emotionalen Verwundungen anderer und können, vor allem, wenn sie sehr gereift sind, die verdrängten Schuld- und Schamgefühle, sowie unbewusste Ängste und den abgewehrten Schmerz im Anderen wahrnehmen.
Das ist aber nicht immer erwünscht. So kann es passieren, dass jemand, der sich eben noch in der Gegenwart eines besonders empathischen Menschen wohl fühlte, plötzlich mit Ablehnung reagiert, weil er sich ab einem gewissen Punkt zu scharf und genau wahrgenommen fühlt.
Die dem oft folgende Zurückweisung ist sehr schmerzvoll für einen sehr empathischen Menschen. Nicht selten kommt es in diesen Situationen zu merkwürdigen Anschuldigungen, Unterstellungen und Fehleinschätzungen, in denen sich der Empath nicht wiederfinden kann.
8. Empathen können nicht gut verdrängen
Sie können ihre Gefühle mit zunehmender Reife immer schlechter verdrängen. Das wollen sie auch nicht. Sie müssen aber die Folgen dessen, was weniger fühlende Menschen in der Welt anrichten, aushalten. Sie haben Mitgefühl gegenüber der Tierwelt, für Mutter Natur, für das Leid in der Welt und tragen schwer an Dingen, die sie selbst nie anrichten würden. Auch mit diesem Leiden sind sie meist allein.
Anstatt ihr gutes Herz, ihre Klugheit und ihren feinen Gerechtigkeitssinn anzuerkennen, werden sie als überempfindlich, lästig oder komisch verurteilt. Ihre Tränen bedrohen die Abwehr der anderen.
Empathen leiden sehr in den Jahren ihres Lebens, in denen sie noch nicht verstanden haben, dass sie wirklich anders sind, als der Grossteil der Menschen.
Auch, wenn es einen Wandel und zunehmend mehr Empathen zu geben scheint, sind sie in der Minderheit. Sie sind noch sehr auf sich selbst gestellt.
Hochempathische Menschen müssen irgendwann beginnen, sich selbst zu glauben und vor allem, anstatt für andere, sich selbst zu spüren.
Und sie müssen beginnen, Mitgefühl mit sich selbst zu haben. Da die Welt um uns herum mit uns so umgeht, wie wir mit uns selbst umgehen, müssen die Empathen den Anfang machen. Bei sich selbst.
Denn: wir kommen erst aus dem Opferstatus heraus, wenn wir Mitgefühl und auch Mitleid mit uns selbst haben. Wenn wir das nicht zulassen, verlagern wir den Wunsch nach Verstandenwerden unmerklich und automatisch nach aussen und suchen die Lösung im anderen. Damit geben wir unsere Power weg und kommen in Abhängigkeiten, die wir Beziehung nennen.
Erst wenn wir uns unsere Verletzungen eingestehen, wenn wir uns glauben, dass uns Unrecht getan wurde, wenn wir die Tränen fliessen lassen und aufhören, gegen uns und unsere wirklichen Gefühle zu kämpfen, können die alten Wunden heilen. Wir müssen uns selbst trösten können, wie wir es zahllose Male mit anderen getan haben.
Dann findet eine tiefe Reifung statt und nur dann kann sich das gigantische Geschenk entfalten, das dem Lebensschmerz des hochempathischen Menschen innewohnt.

Dieser Beitrag enthält AI generierte Bilder.



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